UAW wählt GM als Verhandlungspartner - Streikvorbereitungen
14.09.07 10:54
DETROIT (dpa-AFX) - Die amerikanische Automobilarbeitergewerkschaft UAW (United Auto Workers) hat General Motors (GM) als Hauptverhandlungspartner für einen neuen Tarifvertrag für die US-Autoindustrie ausgewählt. Dies berichtete die "Detroit News" am Freitag in ihrer Onlineausgabe. Die Gewerkschaft und GM nahmen keine Stellung. Der bisherige vierjährige Tarifvertrag läuft am Freitag aus. Ford und Chrysler erhielten auf unbestimmte Dauer Verlängerungen ihrer ebenfalls auslaufenden Tarifabkommen. Kommt es bei den Verhandlungen zwischen dem größten US-Autokonzern und der Gewerkschaft zu keiner Einigung, dann riskiert GM nach Angaben der Zeitung einen Streik. Es hätten Streikvorbereitungen bei den GM-Fabriken im ganzen Land begonnen, berichtete die "Detroit News".
Die meisten amerikanischen Fachleute halten jedoch einen Ausstand für unwahrscheinlich. Für die Gewerkschaft und GM stehe wegen der Krise im nordamerikanischen Automarkt zuviel auf dem Spiel.
Die Tarifverhandlungen zwischen der UAW und GM, Ford und Chrysler laufen seit Monaten. Die Gewerkschaft wählt traditionell in der Endphase einen der drei Autokonzerne als Hauptverhandlungspartner aus. Eine Tarifvereinbarung mit diesem Unternehmen wird dann weitgehend auf die beiden anderen US-Autohersteller übertragen. Die Unternehmen wollen den Arbeitskosten-Abstand von 25 bis 30 Dollar je Stunde zu den US-Autofabriken von Toyota, Honda, Nissan und der anderen ausländischen Autokonzerne reduzieren.
Die Arbeiter in den US-Autofabriken der ausländischen Anbieter sind nicht gewerkschaftlich organisiert, haben jüngere Belegschaften und leiden nicht unter den Altlasten und den Kosten für ein Heer von Betriebsrentnern. Die drei US-Autokonzerne haben nur noch 180 000 aktive US-Arbeiter und mehr als 400 000 Betriebsrentner. Sie haben in den vergangenen zweieinhalb Jahren Gesamtverluste von mehr als 26 Milliarden Dollar verbucht, vor allem wegen des notleidenden nordamerikanischen Autogeschäfts.
Hauptpunkt bei den Tarifverhandlungen sind die rasant eskalierenden Krankenversicherungsverpflichtungen für die Betriebsrentner der drei Autokonzerne. Sie belaufen sich auf insgesamt mehr als 90 Milliarden Dollar. GM möchte sie gerne auf einen neuen von der Gewerkschaft verwalteten und von den US-Autoherstellern teilfinanzierten Treuhandfonds "VEBA" (Voluntary Employees' Beneficiary Association) übertragen. Damit würden diese eskalierenden Ansprüche aus den Bilanzen verschwinden, und die zukünftigen Kosten wären besser kontrollierbar.
Daneben geht um niedrigere Löhne für neue Mitarbeiter und die Beibehaltung der hohen Stundenlöhne für die bisherigen Mitarbeiter. Die Gewerkschaft will Arbeitsplätze sichern, nachdem die drei Unternehmen in den vergangenen eineinhalb Jahren zehntausende von Mitarbeitern nach Hause geschickt, Produktionen in Billiglohnländer verlegt und zahlreiche Fabriken geschlossen hatten. Die Autokonzerne fordern flexiblere Arbeitsplatz-Regeln, um Kosten zu sparen.
Die General-Motors-Aktien waren am Donnerstag in Hoffnung auf eine VEBA-Vereinbarung um zehn Prozent auf 33,29 Dollar in die Höhe geschossen. Die Ford-Aktien legten um 5,6 Prozent auf 7,92 Dollar zu. Chrysler war kürzlich von Daimler an die US-Investmentfirma Cerberus verkauft worden./br/sbr/DP/mf/
Quelle: Süddeutsche Zeitung, 15. September 2007, Internetausgabe

Anonymous
17/09/2007