Politiker und Medien kommentieren Astra-Vergabe meist nationalistisch
Es ist ekelhaft zu sehen wie nationalistisch Politiker und Medien in den von der Delta/Astra-Entscheidung betroffenen Ländern den Zuschlag für das jeweilige Werk kommentieren.
Das Europäische Arbeitnehmerforum (EEF), der Europäische Betriebsrat von General Motors, hat eine beispiellose reale Solidaritätsstrategie entwickelt die letztlich dazu führte, das im Zusammenhang mit der produktionsvergabe des neuen DElta/Astra kein Werk geschlossen wird. Wie die Einzelheiten einer zu erreichenden Europäischen Vereinbarung aussehen, die allen Werken eine Zukunft bis mindestens 2016 gibt, wird sich in den folgenden Wochen herausstellen, wenn die Verhandlungen abgeschlossen sind. Aber das kein Werk geschlossen wird angesichts der weltweiten Entwicklung der Autoindustrie ist einzigartig und ein Vorbild für andere. Dieses Ergebnis ist nicht vom Himmel gefallen sondern basiert auf einer über zweijährigen intensiven Zusammenarbeit der betrieblichen Vertretern und nationalen Gewerkschaften aller fünf Delta-Werke in Belgien, Schweden, Deutschland, Großbritannien und Polen. Alle hatten gemeinsam ein sogenanntes Solidaritätsversprechen unterschrieben und gemeinsam mit Unterstützung des EEF und aller anderen Gewerkschaften auf europäischer Ebene verhandelt. Klar ist, kein Standort hätte dies alleine geschafft. Es ist aber ekelhaft zu sehen, wie die meisten Medien in den betroffenen Ländern über diese Entscheidung der Produktionsvergabe nun berichten und wie die jeweiligen Politiker dies kommentieren. Sie sehen meist nur das Werk im eigenen Land, freuen sich, das andere geschlagen wurden und scheren sich überhaupt nicht um die Beschäftigten und deren Familien in den anderen Standorten. Dies ist widerlich anzusehen und strategisch dumm. Sie haben keine ahnung davon, wie heute in einer globalisierten Welt mit globalen Fahrzeugarchitekturen mit multinationalen Unternehmen wie GM umgegangen werden muß. Ein Produktzuschlag zu bekommen ist das eine, eine langjährige sicherheit das andere. Jederzeit kann auch das neue Produkt verlagert und weltweit verlagert werden. Letztlich wird es nur eine Sicherheit geben, wenn ein europäischer Zukunftsvertrag für alle Werke bis mindestens 2016 abgeschlossen wird. Das wird kein Werk, keine Gewerkschaft, keine Belegschaft alleine erreichen. Insofern ist diese Art von nationalistischer Freude der Reporter und der Politiker wenig hilfreich. Es wird Zeit, dass auch sie verstehen, dass sie damit nicht den Interessen der jeweiligen Belegschaften dienen. Aber bezogen auf die Politiker haben wir da leider wenig Hoffnung, sorry. Und für die Medien ist alles nur ein Geschäft, schlechte Nachrichten werden immer benötigt, denn sie steigern die Auflage. Gut das die GM Belegschaften in Europa verstanden haben es anders zu machen- auch wenn es noch einen schwierigen Weg gemeinsam(!) zurückzulegen gilt. No pasaran!