Personalüberhang und Mehrarbeit
Obwohl das Werk nach wie vor unter der niedrigen Auslastung leidet, hat die Arbeitsbelastung in anderen Bereichen am Standort stark zugenommen. Dies liegt einerseits daran, dass in den letzten Monaten viele neue Projekte hinzugekommen sind, andererseits rächt es sich heute, dass im Rahmen der Restrukturierung gerade in den Fachbereichen zu viel Personal abgebaut wurde.
Der Betriebsrat ist seit langer Zeit bemüht, in dieser schwierigen Situation einen personellen Ausgleich herzustellen, damit die Minuskonten der Beschäftigten in der Produktion nicht ins Bodenlose rutschen und gleichzeitig an anderer Stelle die Gleitzeit- und Mehrarbeitskonten nicht überlaufen. Der Bereich Facility Management (FM) hätte z.B. die Möglichkeit, Fachkräfte aus der Produktion zu beschäftigen, weil dort viele Beschäftigte in die Altersteilzeit gegangen sind oder dies in den nächsten Monaten tun werden. Die FM-Leitung weigert sich aber seit Monaten, Personal aus anderen Bereichen aufzunehmen, weil sie die Strategie verfolgt, mit dem Weggang des Personals auch die Dienstleistungen auszulagern. Ebenso könnten in vielen anderen Abteilungen qualifizierte Beschäftigte aus der Produktion sinnvoll eingesetzt werden, aber auch dies scheitert sehr oft an bürokratischen GM-Richtlinien und Vorgaben.
Um das Thema Mehrarbeit einigermaßen in den Griff zu bekommen und zu vereinheitlichen, wurde vor einiger Zeit eine Arbeitsgruppe aus Vertretern der Personalabteilung und des Betriebsrats eingesetzt. Die bisher von der Geschäftsleitung eingereichten Vorschläge zu dieser Problematik laufen weitgehend darauf hinaus, die Mehrarbeit flächendeckend zu öffnen und auf diesem Wege wieder einmal die Vertrauensarbeitszeit einzuführen. Eine personalwirksame Komponente bei Mehrarbeit ist in diesen Vorschlägen bisher nicht vorgesehen. Im Gegensatz dazu verfolgt der Betriebsrat ein Modell, das beschäftigungswirksam ist und auch den Wunsch vieler Kolleginnen und Kollegen nach Bezahlung der Mehrarbeit berücksichtigt. Der Betriebsrat strebt folgenden Schlüssel für Mehrarbeit an:
- 1/3 der jährlichen Mehrarbeitsstunden am Standort werden von der Geschäftsleitung personalwirksam umgesetzt. Abstriche für den/die Mitarbeiter/innen entstehen dadurch nicht
- 1/3 der geleisteten Mehrarbeit fließt in ein persönliches Langzeitarbeitskonto
- 1/3 kann ausgezahlt werden
