Opel Rüsselsheim: Das Maß ist voll! Konflikt um Personalunterdeckung eskaliert
Ende letzter Woche hatte der Rüsselsheimer Opel-Betriebsrat die Überstundenanträge des Managements für alle Bereiche mit Ausnahme von Notstandsarbeiten abgelehnt. Hintergrund ist die Forderung des Betriebsrats nach "Personalausgleich". Der IG Metall-geführte Betriebsrat kritisiert die Personalpolitik des GM-Managements die zu einer erheblichen dauerhaften Mehrbelastung der Beschäftigten führt.
Der Betriebsrat übt aber auch Selbstkritik und sagt, dass er lange dem Management Zeit gegeben hat, die Situation zu verändern ohne laufende wichtige Arbeiten und Projekte zu gefährden. Nun sei aber die Zeit des Handelns gekommen, die Beschäftigten erwarten eine positive Veränderung. Über Altersteilzeit verlassen Monat für Monat Beschäftigte mit ihrem Wissen das Unternehmen ohne das es zu Einstellungen von Nachwuchskräften komme. Gleichzeitig bleibe das Arbeitsvolumen gleich oder steige sogar an während beispielsweise die Jungfacharbeiter/innen in den nächsten Jahren zwar übernommen aber erst bei Bedarf in der Produktion ab 2010/11 bei Opel eingesetzt werden sollen. Aber schon heute werden in den Fachbereichen am Standort Rüsselsheim Ingenieure/innen und Facharbeiter/innen dringend gebraucht. Die Unterdeckung mit Personal führt seit langem zu einem erheblichen Anstieg der Gleitzeit- und Mehrarbeitskonten, die Beschäftigten machen in ihrer großen Mehrheit Druck und fordern ein Ende dieser Personalpolitik und ihrer Überlastung. Ein kleiner Teil der Beschäftigten würde sich mit der Bezahlung von Überstunden zufriedengeben, weil sie wenig Hoffnung auf Änderung ihrer Lage haben. Dies ist allerdings für den Betriebsrat keine Alternative zur Einstellung von Personal und einer langfristigen Perspektive für diese Bereiche. Bezahlung von Überstunden kauft den Kolleginnen und Kollegen letztlich nur die Gesundheit ab - und das angesichts einer Situation wo die Jüngeren wissen, dass sie länger werden arbeiten müssen (Rente mit 67). Außerdem verteuert die vom Management betriebene "geplante Mehrarbeit" den Faktor Arbeit was den Standort in der globalen Konkurrenz nicht stärkt und außerdem den IG Metall-Tarifvertrag aushöhlt. Das Problem mit den meisten GM Managern ist, dass sie einzig und allein auf die Reduzierung von Personal ("Kopfzahlen") fixiert sind, die sie nach Zürich und Detroit berichten müssen - koste es was es wolle und ob es Sinn macht oder nicht. Der Konflikt kann jetzt in der Vorweihnachtszeit noch eskalieren da das Unternehmen angesichts der Personalsituation dringende die Genehmigung von Überstunden braucht, um die Arbeitsleistung von vielen Beschäftigten während der Weihnachtszeit zwischen den Jahren nutzen zu können. So sollen beispielsweise in den Zentralwerkstätten die Facharbeiter/innen am Wochenende vor Weihnachten, in den Tagen danach und am Wochenende vor Silvester voll durcharbeiten, um die anstehenden Projekte abzuwickeln. "Das ist ganz schön hart für die Familie" sagt einer der möglichen Betroffenen. Noch ist aber offen, ob und wieviel Arbeit geleistet werden muß. Wenn das Management sich nicht in der Sache klar und deutlich bewegt, wird es keine Zustimmung des Betriebsrats zu Überstunden geben, auch nicht an den Wochenenden vor Weihnachten und zwischen den Jahren. Die Situation für das Management verschärft sich durch den selbstgeschaffenen Personalengpaß: Da viele Mitarbeiter/innen die arbeiten sollen schon über Gleitzeitguthaben verfügen die über die Höchstgrenze von 100 Stunden hinausgehen, besteht der Betriebsrat zu Recht darauf, dass das Unternehmen keine weitere Arbeit annehmen darf, die diese Anzahl erhöht. Folgerichtig müßte das Management dann Überstunden beantragen, die aber vom Betriebsrat zu Recht mit dem Hinweis auf die Personalsituation und die Verletzung von Tarifverträgen usw. abgelehnt werden können (und auch abgelehnt werden!). Fazit ist, dass ohne eine Bewegung des Managements hin zu Personalausgleich es nicht zu einem Ende das Konflikts kommen wird. Es liegt in der Hand und der Verantwortung des GM Managements wie es am Standort Rüsselsheim auch im neuen Jahr weitergeht. "Headcount"-Dogmatismus (kein neues Personal) à la GM wird hier zu keiner Lösung führen. Das Maß ist voll!! GENUG IST GENUG1
Jos
12/12/2007