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23/06/2008

„Keiner von uns hat eine 2.Belegschaft im Kofferraum – geschweige denn eine 2.Gesundheit für jede/n!“

9 Thesen zur Ergonomie in der Automobilindustrie

1. Ergonomie ist ein (globaler) Schlüsselfaktor im Planungs-, Entwicklungs- und Fertigungsprozess der Unternehmen, wenn es um Standortfaktoren wie „bessere Qualität der Produkte“, „Produktivität der Fertigung“, „Verringerung der Durchlaufzeiten“, „stabile Anwesenheitsraten“, „Vermeidung gesundheitlicher Folgekosten und –prozesse älter werdender Belegschaften“ geht („ Ergonomie macht ‚schlank’, hält gesund und länger fit“)

2. Für die Beschäftigten ist es ein wichtiger und direkter Schlüsselfaktor, wenn es a) um ihre Gesundheit und Leistungskraft, b) ihren attestgerechten Arbeitseinsatz, c) ihre Integration und Partizipation in Gruppenarbeit, d)ihre Qualifikation, e)ihr Älterwerden im Betrieb, f)die Qualität ihrer Arbeit und g) ihres Arbeitsplatzes geht („Ergonomie vermeidet meine Gesundheitsverschwendung, sichert meinen Job – und ich bin tätig als ‚Experte in eigener Sache!’“)

3. Ergonomie war aus gewerkschaftlichem Blickwinkel immer mehr als nur die Erkämpfung von Erholzeiten, Erholpausen sowie Erschwernis- und Lohnfortzahlungszuschlägen – es ist die gemeinsame betriebliche Anstrengung, arbeitswissenschaftlich gesicherte Erkenntnisse alltagstauglich in Fertigungsabläufe zu integrieren, um das höchste Kapital „Gesundheit“ für Beschäftigte und Betrieb zu schützen („Winner-Winner-Situation“ schaffen statt „Geld gegen Gesundheit“)

4. Die Erfahrung lehrt: Mehrjährige Entwicklungsprozesse vor Modellwechseln bergen erhebliches Potenzial a)an neuen ergonomischen Denkansätzen für die technische Intelligenz sowie b) an ergonomischen Verbesserungen für kommende Produkte und Produktionsabläufe - der Spielraum nachgängiger Ergonomie (Line Balancing) an den Fertigungslinien ist hingegen erheblich kleiner.

(Neues Denken der Ingenieure: „Unser 1. Kunde ist die Linie, nicht der Käufer“ versus „ Happy Engineering“)

5. Erforderlich hierzu ist a) die Evaluierung und Einführung eines gemeinsamen multi-faktorialen Ergonomie-Tools mit einer Rot-Gelb-Grün-Aussage, b) die Ausarbeitung und gezielte Durchführung von Ergonomie-Schulungen für betroffene Ingenieure und Beschäftigte, c) die nachhaltige Bewertung der Fertigungslinien nach dem Ampelschema, d) die frühzeitige Verankerung des Themas im Entwicklungsprozess, e) die Klärung von Aufgaben und Verantwortlichkeiten im Ergonomieprozess der Entwicklung und Fertigung, f) die Einrichtung/Pflege einer gemeinsamen Datenbank, g)Nutzung von Simulationstechnik und h) automobilen Arbeitskreisen (Zentrales Motto für Abschluss einer BV: „Keine Akzeptanz von ‚roten’ Operationen !!“ )

6. Gestützt auf positive betriebliche Betriebsvereinbarungen sollte der Abschluss von Tarifverträgen möglich sein a) zur Anwendung eines gemeinsamen Ergonomie-Tools b) einer politischen Verabredung der „Nicht-Akzeptanz“ roter Arbeitsoperationen! Dies unterstreicht die IGM-Kernkompetenz in Sachen a) „Schutz der Arbeitskraft“ b) „Gestaltung eines gesundheits- , altersgerechten und lernförderlichen Arbeitens“ und erhöht c) die IGM-Kampagnefähigkeit für „Gute Arbeit“ ( Ergonomie = „Alleinstellungsmerkmal“ der IGM und „Schlüsselelement“ zur Erhaltung der Wettbewerbsfähigkeit des Einzelnen und somit des Unternehmens)

7. Der regelmäßige Austausch der betrieblichen und tariflichen Experten mit der Arbeitswissenschaft/ MTM-Gesellschaft soll den internationalen Standard hinsichtlich der Ergo-Tools sicherstellen und weiterentwickeln, gestützt auf den bestehenden Arbeitskreis Ergonomie Automobilindustrie/IAD der TU Darmstadt. Ebenso Änderung der Maschinenbau-Curricula, zwingende Erweiterung um Ergonomie(„ Stärke durch Vernetzung“ und „ Kein Studium ohne Ergonomie“)

8. Bestehende Ergo-Tools müssen verfeinert werden z.B. a)hinsichtlich hochfrequentem Handhaben von Lasten, b)Finger-Hand-Arm-Belastungen (z.B. Clipsen) und c)Belastungen im Logistikbereich (gemeinsames Ziel „Gesund älter werden im Betrieb“, Durchführung von BMAS-Studien)

9. Unter dem Aspekt der Globalisierung prallen Ergonomiekulturen verschiedener Kontinente aufeinander mit a) offenkundigen Differenzen in gesetzlichen/tariflichen/betriebsüblichen Anforderungen, b) uneinheitlichen Analyse- und Bewertungsverfahren, c) wenig Verankerung des Themas im globalen Entwicklungsprozess, d) wenig Chancen für Werke, ihre Probleme zu adressieren, e) oftmals unterentwickelten Strukturen von Funktion und Verantwortung in Entwicklung/ Fertigung f) globale Rückkehr zu „low tech – low cost“-Ergonomie, g) Aufweichung der dahinter liegenden MTM-/Zeitwirtschaftskultur!

Fazit: Gelingt es, das Thema Ergonomie in den Planungs- und Entwicklungsabteilungen sowie den Unternehmens -und Fertigungsleitungen „salonfähig „ zu machen, wird die Kernkompetenz und Attraktion der Arbeit von Betriebsräten, Vertrauensleuten und IGMetall bei den Belegschaften nachhaltig gestärkt. ( „IGM- wir kümmern uns kompetent um gesunde Arbeit“)

Bernhard Grunewald
Gesamt - u. Konzernschwerbehindertenvertretung Adam Opel GmbH
Vorstandssprecher Arbeitskreis Schwerbehindertenvertretungen Deutsche Automobilindustrie

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