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05/05/2009

Fiat will Marke Opel und deutsche Montagewerke erhalten

Fiat will im Falle einer Opel-Übernahme die deutschen Endmontagewerke und die Marke Opel erhalten. Dies sagte am Montag Wirtschaftsminister Karl-Theodor zu Guttenberg nach einem Treffen mit Fiat-Chef Sergio Marchionne. Für das Teile-Werk in Kaiserslautern wollte Marchionne keine Garantie abgeben. Der Betriebsrat wehrt sich vehement gegen mögliche Schließungspläne.

Fiats Welt-Pläne

Fiat-Chef Sergio Marchionne ist überzeugt, dass nur Autohersteller mit ausreichender Größe durch die Branchenkrise kommen werden. Die kritische Marke bezifferte er jüngst auf 5,5 bis 6 Millionen Fahrzeuge im Jahr. Fiat mit seinem Absatz von rund 2,2 Millionen Wagen in der Kern-Autosparte 2008 ist daran gemessen viel zu klein.

Daraus ergibt sich die Marchionne-Lösung: Die Krise nutzen, um ein globales Auto-Imperium mit Chrysler und Opel aufzubauen. Ob die angepeilten sechs Millionen Autos in diesem von Absatzeinbrüchen geprägten Jahr verkauft werden können, bleibt allerdings abzuwarten. Dagegen ist das Risiko groß, sich zu verheben. Der Autoexperte Ferdinand Dudenhöffer sprach schon von einem "Drahtseilakt".

Der Chrysler-Deal ist inzwischen besiegelt. Hier soll Fiat bei dem insolventen US-Autobauer zunächst mit 20 Prozent einsteigen und später bis auf 35 Prozent aufstocken. Die Italiener beharrten von Anfang an darauf, kein Geld, sondern nur Technologie zu investieren.

Über die Fiat-Pläne für Opel weiß man bisher wenig konkretes. Bundeswirtschaftsminister Karl-Theodor zu Guttenberg (CSU) zufolge sichert Fiat zu, die drei Montagewerke Rüsselsheim, Bochum und Eisenach sowie die Marke zu erhalten. Um die Milliardenschulden von Fiat herauszuhalten, soll die Autosparte vom Restkonzern abgespalten werden.

Gerhard Mauerer

gmauerer@craincom.de
Berlin. Fiat will bei einer Übernahme des Autobauers Opel alle deutschen Montagewerke sowie die Marke erhalten. Das teilte Wirtschaftsminister Karl-Theodor zu Guttenberg (CSU) am Montag nach einem Gespräch mit Fiat-Chef Sergio Marchionne in Berlin mit. Es gebe dann allerdings auch in Europa Bedarf an Einsparungen bei Personal und Standorten. In Deutschland könnte davon nach Fiat-Vorstellungen das Fahrzeugteile-Werk Kaiserslautern betroffen sein. Die drei Endmontagewerke von Opel sind Rüsselsheim, Eisenach und Bochum.

Der Betriebsrat des Kaiserslauterer Opel-Werks hat mit scharfer Kritik auf Überlegungen des Fiat-Konzerns für "Konsolidierungsmaßnahmen" an dem Standort reagiert. "Wir werden uns unter dieser Voraussetzung gegen Fiat massiv wehren. Das können wir nicht hinnehmen", sagte der Kaiserslauterer Betriebsratschef Alfred Klingel dem Audiodienst der Deutschen Presse-Agentur dpa. Er zähle auch darauf, dass Land und Bund solche Überlegungen nicht akzeptierten. Er könne sich nicht vorstellen, dass Land und Bund dem neuen Interessenten Bürgschaften oder eine andere Unterstützung gäben, wenn ein Opel-Standort "außen vor wäre". "Die Bedingung ist ganz schlicht und einfach: Die Standorte müssen erhalten bleiben, es muss auch Kaiserslautern erhalten bleiben", sagte Klingel.

Auch Opel-Betriebsratschef Klaus Franz sieht einen möglichen Einstieg der Italiener bei Opel weiter kritisch. "Wesentliche Fragen sind offen geblieben", sagte Franz dem Nachrichtenmagazin "Spiegel".

Fiat plane die eine oder andere Werksschließung in Europa, es gebe aber keine "Schließungen in der Breite", betonte Guttenberg. Der Fiat-Chef legte in dem Gespräch einen Masterplan vor. Er will die Autosparte seines Konzerns ausgliedern und mit dem US-Autobauer Chrysler sowie Opel zusammenlegen. Der neue Konzern soll die weltweite Nummer zwei nach Toyota werden. Es gehe um alle europäischen Partner des US-Mutterkonzerns General Motors (GM), sagte Guttenberg. Die Bundesregierung macht Hilfen für einen Opel-Investor von Bedingungen abhängig.

Die Italiener wollen laut Guttenberg ohne eigene Schulden bei Opel einsteigen und dafür ein entsprechendes Modell schaffen. Der "finanzielle Überbrückungsbedarf" würde sich dann aus Schulden und Pensionsverbindlichkeiten der der Opel-Mutter ergeben. Dieser Bedarf werde nach bisherigen Schätzungen von Fiat europaweit auf fünf bis sieben Milliarden Euro veranschlagt. Hier könnten staatliche Garantien oder Bürgschaften der europäischen Länder ins Spiel kommen.

"Interessantes Konzept" auf "Herz und Nieren" prüfen

Wie groß der Anteil Deutschlands bei einer solchen Lösung werden könnte, sei noch offen, sagte Guttenberg. Auch dem Fiat-Chef lägen noch keine gänzlich gesicherten Zahlen aus der GM-Zentrale in Detroit vor. Eine direkte Staatsbeteiligung lehnte Guttenberg ab. Dies sei das "unsinnigste Instrument". Es gehe um Bürgschaften etwa für Akquisitionsdarlehen. Dies müsste aber auf europäischen Schultern verteilt werden.

Guttenberg sprach von einem "interessanten Konzept" von Fiat. Dies müsse aber auf "Herz und Nieren" geprüft werden. Auch andere Optionen müssten abgeklopft werden. Dies betreffe auch den Fall, wenn es zu einer Zerschlagung von General Motors komme, es keine Investoren für Opel gebe und dann die Filetstücke verteilt würden. "All das ist auf eine Waagschale zu legen in der Bewertung, die wir vorzunehmen haben". Es gehe um langfristige Lösungen, was auch Ziel von Fiat sei.

Guttenberg warnte mit Blick auf den Widerstand gegen Fiat auch in der Koalition, Investoren durch Vorfestlegungen zu verprellen. Er kündigte an, auch das Detailkonzept des österreichisch-kanadischen Autozulieferers Magna prüfen zu wollen. Vor einer Entscheidung sei aber eine Einigung von potenziellen Investoren mit dem Opel- Mutterkonzern General Motors abzuwarten. Nach dem Gespräch mit Guttenberg wollte Marchionne mit Kanzleramtschef Thomas de Maiziere sowie SPD-Kanzlerkandidat Frank-Walter Steinmeier sprechen.

Vor den Gesprächen in Berlin hatte Marchionne der "Financial Times" (Montag) gesagt, Ziel sei eine neue Aktiengesellschaft, die den Namen "Fiat/Opel" tragen könnte. Der Konzern solle sechs bis sieben Millionen Autos jährlich herstellen. General Motors würde dann Minderheitseigner des neuen Unternehmens. Bis Ende Mai solle die Fusion beschlossen werden.

Die Bundesregierung strebt bei den möglichen Hilfen für Opel trotz der Differenzen innerhalb der Koalition eine einvernehmliche Lösung an. Innerhalb der Bundesregierung sei ein gemeinsames Vorgehen vereinbart, und alle Beteiligten hielten sich daran, sagte Sprecher Ulrich Wilhelm. Die Details der Gespräche würden an diesem Dienstag zusammengeführt. Steinmeier hat laut Medienberichten einen 14-Punkte-Katalog aufgestellt, den ein Investor erfüllen müsse. Im Zentrum stehe der Erhalt aller Opel-Standorte und möglichst vieler Jobs

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